Die Neu-gierde, also das gierig sein nach Neuem, ist der vielleicht natürlichste Wesenszug den wir Menschen gemein haben und gleichzeitig etwas, dass wir nur noch selten vorfinden. Denn die Neugierde kann leicht durch eng vorgegeben Aufgaben, Fragen nach Antworten die in ein Kästchen passen und vordefinierten Handlungsräumen abstumpfen und in Vergessenheit geraten.

Das entdeckende Lernen gräbt sich durch diese erlernten Muster und kitzelt die Neugierde wach. Sie knüpft bei den individuellen Fragen der Kinder an, gibt keine Antworten sondern begleitet auf der Suche. Denn letztlich haben vor allem die individuellen Erkenntnisprozesse und selbst gefundenen Antworten auf die ganz eigenen Fragen das Potential, Selbstwirksamkeit wirklich zu erleben und sich damit positiv und stärkend auf die Selbstwahrnehmung der Kinder auszuwirken.

Das ist nicht nur für die Kinder ein Weg der spannend, euphorisierend und auch frustrierend und schwierig sein kann. Auch für mich als Lernbegleitung erfordert diese Herangehensweise Geduld, die Bereitschaft selbst zu Lernen sowie bereit für unerwartete Überraschungen zu sein.
Ich freue mich sehr, seit diesem Frühjahr an der Seite von LIFE e.V. die Lernwerkstatt an der Richardschule in Neukölln mit eben diesem entdeckenden Lernen bespielen zu dürfen.

Nach dem urban verengten Corona-Winter habe ich mir dafür die Natur zur Seite genommen - eine unsichtbare Lehrerin, die voll versteckter Geheimnisse ist und ihre Antwort nie einfach verrät. Aber wenn wir genau hinschauen, zeigt sie sie uns eben doch. Wir haben das Leben der Wiese erforscht, ihre Pflanzen- und Tierwelt entdeckt. Jedes Kinderteam auf den Spuren der eigenen Fragen: Ist der gelbe Saft des Schöllkrauts giftig? Atmen Nacktschnecken durch ihr Loch an der Seite? Mögen Saftkugler Sonne? Viele Antworten wurden entdeckt, manche Fragen sind noch offen. Es bleibt spannend ...

Sophie Hamm